Michalis Hristidis

   
     

 

 

 

Michalis Hristidis

 

 Michalis Hristidis trainierte von 1999 bis 2003 bei Rohy Batliwala. In dieser Zeit bestritt er zwölf Profikämpfe, wovon er 10 gewann. Unter anderem wurde er WKN Europameister im Kickboxen. Diesen Titel verteidigte er zweimal. Im selben Jahr gewann er auch den Europameistertitel WKN im Thaiboxen, den er in Frankreich 2001 erfolgreich verteidigte. Im Jahr 2002 musste Michalis Hristidis seine Kampfsportkarriere aufgrund eines mehrfach ausgekurbelten Schultergelenks unterbrechen.

 

 

St. Galler Tagblatt Sport | Samstag, 6. November 1999

St. Galler Tagblatt Sport | Dienstag, 9. November 1999
     

Ein Schlag gegen Vorurteile

Der HSG-Student Michael Hristidis kämpft in St. Gallen um den EM-Titel

Heute findet in der alten Kreuzbleiche-Halle St. Gallen eine Kick- und Thai-Box-Gala statt. Beim Hauptkampf fordert der St. Galler Michael Hristidis den französischen Europameister Caldeira Guillamme.

Ralph Weibel

Kampfsportlern haftet mitunter das Vorurteil an, sie seien dumm, primitiv und streitsüchtig. Sicherlich gibt es Beispiele, die dies untermauern. Doch mindestens so viele wiederlegen die vorgefasste Meinung. «Ab einem gewissen sportlichen Niveau setzen sich nur Kämpfer durch, die eine starke Persönlichkeit haben», sagt Michael Hristidis. Der 28-jährige HSG-Student steigt seit zwölf Jahren in den Ring.

Komplexität und Echtheit


«Zum Teil kommen Kampfsportler eher aus tieferen sozialen Schichten. Diese Leute identifizieren sich vielleicht einfacher mit der physischen Auseinandersetzung. Die Bereitschaft zum Kampf ist aber in uns allen drin», sagt Michael Hristidis. Der Student begeistert sich vor allem deshalb für das Kick- und Thai-Boxen, «weil er die Komplexität und Echtheit» dieser Sportart schätzt. «Es gibt wenige Sportarten, die so ehrlich sind. Als Kämpfer muss man diese Ehrlichkeit mitbringen. Im Ring kann man sich hinter niemandem verstecken, es zählt nur die eigene Leistung.» Für Hristidis ist Kampfsport denn auch ein Lebensweg. «Man lernt nicht aufzugeben und härter zu sich selber zu sein. Wie im Alltag kann man sich einer Herausforderung stellen, oder einfach davonlaufen.»

Der beste Trainer


Davonlaufen will er heute auf keinen Fall. In den vergangenen zwei Monaten hat er sich intensiv auf den Europameisterschafts-Kampf gegen den 24-jährigen Franzosen Caldeira Guillamme (französischer Meister 1997) vorbereitet. Zur Seite stand Hristridis sein Trainer Roy Battiwala vom Wing-Thai-Gym Buchs. «Wegen ihm habe ich überhaupt mit dem Thai- und Kick-Boxen weitergemacht. Battiwala ist für mich der beste Trainer den es in der Schweiz gibt.»Als gebürtiger Basler kam Michael Hristidis vor zwei Jahren nach St. Gallen, um an der Universität Jus zu studieren. «So ergab sich für mich die Möglichkeit in Buchs zu trainieren. Hätte ich nicht so gute Rahmenbedingungen vorgefunden, hätte ich mit dem Wettkampfsport wohl aufgehört», sagt der Schweizer Meister von 1996.Während der Wettkampf-Vorbereitung trainierte Hristidis täglich. Mindestens zweimal wöchentlich fuhr er mit dem Zug nach Buchs ins Training, ansonsten trainierte er beim Veranstalter der «Fight Night» von St. Gallen, Franco Manzan, Inhaber des Arena Thai Gym Rorschach. Zwar hatte der Herausforderer in Buchs mit seinem Trainer einen hervorragenden Fachmann zur Seite, dennoch gestaltete sich das Training zum Teil unbefriedigend. «Es ist sehr schwierig, auf einem gewissen Niveau gute Sparringspartner zu finden», sagt Hristidis.

Unbekannter Gegner


Wie stark sein heutiger Gegner sein wird, weiss der Wahl-St. Galler nicht. Guillamme ist französischer Meister 1997 und gewann im vergangenen Frühling den WKN-Europameister-Titel. Der 24-jährige Kämpfer gewann 16 von seinen bisher 17 Kämpfen, zwei davon durch K. o. «Es ist sehr schwierig, an weitere Informationen heranzukommen, geschweige denn an ein Video», sagt der Herausforderer. «Da er aber die meisten Kämpfe über die volle Zeit gehen musste, gehe ich davon aus, dass er in einer sehr guten konditionellen Verfassung ist, technisch sehr gut kämpfen wird, aber wahrscheinlich nicht sehr hart zuschlägt.»

Hoffe auf Unterstützung


Im vergangenen Jahr, bei der ersten Austragung der St. Galler Fight-Night, kamen rund 500 Besucherinnen und Besucher in die Alte Kreuzbleiche. Auf einen mindestens so hohen Zuschauerzuspruch hoffen die Organisatoren auch an diesem Wochenende. Die Veranstaltung soll in den kommenden Jahren zu einer festen Grösse im Ostschweizer Sportkalender werden. «Ich hoffe, dass mich die Zuschauer bei meinem Heimauftritt unterstützen werden und viele Kollegen von der HSG kommen», sagt Hristidis. Mit einem gelungenen Anlass können vielleicht ein paar Vorurteile abgebaut werden, dazu muss aber der Weg in die Kreuzbleiche-Halle in Kauf genommen werden.

 

 

Michael Hristidis erkämpft sich den Europa meister-Titel im Kickboxen nach WKN-Version

Im Europameisterschaftskampf zwischen Michael Hristidis und dem Franzosen Caldeira Guillaume gewann der St. Galler dank geschickter Taktik und Können. Der Franzose gab in der achten Runde auf.

Rudolf Käser

Der Europameisterschaftskampf (bis 69,87 Kilogramm) bildete in der alten Kreuzbleichehalle, nach acht vorherigen Thai-Boxkämpfen den sportlichen Höhepunkt. Die 500 Zuschauer erlebten zuerst einen verhaltenen Hristidis, der sich ab der dritten Runde stetig steigerte und den Franzosen in der achten Runde zur Aufgabe zwang.

Es spielte sich im Kopf ab

Guillaume bildete für Hristidis bezüglich Stärke weitgehend eine unbekannte Grösse. «Ich wusste lediglich, dass er schon mehrere Kämpfe über die ganzen zehn Runden bestritt und folglich in guter konditioneller Verfassung sein musste», sagte der Herausforderer.Hristidis ging den Kampf vorsichtig an, wagte ab der zweiten Runde etwas mehr, übernahm in der dritten Runde die Initiative, um den Gegner ab dem fünften Durchgang vollends zu beherrschen. Der HSG-Student machte sich den Kampf eher selbst etwas schwer. «Ich war ungewöhnlich nervös und entsprechend spielte sich für mich das Ganze auch im Kopf ab.»

Nur einige blaue Flecken

Hristidis war mit seiner Vorsicht, vorgegeben von seinem Trainer Roy Battiwala, gut beraten. Spielte sich beim 28-jährigen St. Galler vieles im Kopf ab, so bekam er praktisch nichts am Kopf ab. «Es blieb insgesamt bei einigen blauen Flecken.».Guillaume erlitt in der Mitte des Kampfes eine Wunde oberhalb des linken Auges. Hristidis traf ihn an dieser Stelle danach mehrmals und landete in der Folge auch wirkungsvolle Kick-Treffer.Mehr als nur blaue Flecken kassierte Guillaume ab der fünften Runde. «Ab der siebten Runde war ich mich des Sieges fast sicher und ich legte deshalb nochmals zu», sagte der Schweizer. In der achten Runde machte der Franzose erste Anstalten der Aufgabe, um dann bald darauf das Handtuch zu werfen. Die Taktik Hristidis hatte ihn zermürbt. «Mir ist in diesem Kampf eine stetige Steigerung gelungen, was entscheidend war.»Als Europameister ist Michael Hristidis nun seinen Schweizer-Meister-Titel gemäss Reglement los. Binnen sechs Monaten ist er verpflichtet, einen Herausforderungskampf zu bestreiten. Sollte er zu einem Weltmeisterschaftskampf gelangen und diesen gewinnen, würde er den EM-Titel verlieren, weil im Kick-Box-Sport jeweils der höhere Titel einen niedrigeren ablöst. Michael Hristidis verspricht sich mit seinem Titelgewinn und der gelungenen St. Galler Veranstaltung erst einmal einen Aufschwung für das Kick-Boxen. «Natürlich hoffe ich, dass ich bei der Veranstaltung in der Kreuzbleichehalle im kommenden Frühling dabei sein kann.»

Zufriedener Veranstalter

Ein neuer Kampf ist vorderhand nicht geplant. Der neue Europameister wird sich erst einmal von den Strapazen der Vorbereitung und des Kampfes erholen.Ermutigt zeigte sich der Promotor Gianfranco Manzan. Mit gut 500 Besuchern war die alte Kreuzbleichehalle praktisch ausverkauft. «Wir haben mit diesen beiden Veranstaltungen im vergangenen Frühling und jetzt sicher eine gute Basis beim Publikum gelegt», sagte Manzan. «Im Hinblick auf die dritte Veranstaltung im kommenden Frühling werden wir uns bemühen, noch eine erhebliche Qualitätssteigerung zu erreichen.»

 

 

 

 

 

 

 

 

St. Galler Tagblatt Sport | Freitag, 7. April 2000   St. Galler Tagblatt Sport | Dienstag, 11. April 2000
 

 

«Nun muss die Bestätigung folgen»

Michael Hristidis verteidigt morgen in St. Gallen seinen EM-Titel im Kickboxen

Vor einem halben Jahr gewann Michael Hristidis den EM-Titel im Kickboxen in St. Gallen gegen Caldeira Guillamme. Morgen (ab 20.00 Uhr, alte Kreuzbleiche) verteidigt er den Titel wiederum gegen einen Franzosen.

Ralph Weibel

Michael Hristidis schlägt mit dem Unterschenkel in die Pratze - den gepolsterten Armschutz - von Trainer Rohy Batliwala und sucht mit seinen Augen nach der Uhr, in der Hoffnung, der kurze Signalton werde die Runde bald beenden. «Mach weiter, nicht auf die Uhr sehen!», fordert ihn Batliwala auf. Hristidis schlägt noch eine harte Kombination mit den Fäusten und lässt ihr einen Fusstritt folgen. Klick! - Pause. Durchatmen. Das tropfnasse T-Shirt nimmt längst keinen Schweiss mehr auf.

Europameister am Bahnhof

Im letzten Training vor der ersten Titelverteidigung geht Michael Hristidis noch einmal über zehn Runden. Diese dauern bewusst zweieinhalb Minuten. Grenzen sollen ausgelotet werden. Morgen ist der Kampf auf zehnmal zwei Minuten angesetzt. «Am schlimmsten sind die Runden fünf, sechs und sieben», sagt Hristidis aus Erfahrung. Das sind die Runden, in denen Schmerzen und Zweifel aufkommen.Im vorangegangenen Training blieb nur Zeit für acht Runden. Dann musste der Europameister zum Bahnhof. Der letzte Zug von Buchs nach St. Gallen fährt um 21.00 Uhr. Zweimal wöchentlich trainiert Hristidis bei Rohy Batliwala im Wing Thai Gym in Buchs. Da der 28-Jährige kein Auto hat und zu 100 Prozent als Marketing Assistent in St. Gallen arbeitet, muss der Tag minutiös geplant werden. Die restlichen Trainings bestreitet der Kickboxer in der Thai Gym Arena von Franco Manzan in Rorschach. Manzan ist es, der die Thai-Box-Gala in St. Gallen organisiert.

Varianten vorbereitet

«Ich bin seit heute Vormittag so nervös, wie wenn ich zehn Minuten vor dem Kampf stünde», sagt Hristidis zu seinem Trainer. «Nur weil er grösser ist?», gibt dieser zurück und strahlt dabei Zuversicht aus, welche das Vertrauen in seinen Kämpfer wiedergibt. Viel war über den Herausforderer nicht in Erfahrung zu bringen. «Wir haben einzig die Informationen der WKN», sagt Batliwala. Aziz Boumansour heisst der französische Gegner algerischer Abstammung. Er ist 1,80 Meter gross und gilt als guter Mann, der in seinen bisherigen Kämpfen noch nie k.o. ging. Während zwei Wochen hat sich Boumansour in Thailand vorbereitet. Eine seiner Stärken ist das Wechseln der Auslage. «Wir haben uns so vorbereitet, dass wir in jedem Fall reagieren und verschiedene Varianten anwenden können», sagt Batliwala. «Für Michael ist der Kampf sehr wichtig. Nach seinem Titelgewinn muss nun die Bestätigung folgen. Wenn er den Titel verteidigt, ist ein WM-Kampf im Herbst in greifbarer Nähe.»

Baldrian

Der Hauptkampf um den WKN-Kickbox-EM-Titel ist der unbestrittene Höhepunkt (ca. 22.00 Uhr) der Kampfsport-Gala in der alten Kreuzbleichehalle. Den Rahmen bilden diverse andere Kämpfe. Einen von diesen wird Carole Flury bestreiten. Die Baslerin trainierte früher in der Schule von Michael Hristidis in Basel und macht morgen ihren ersten Kampf. Sie bereitet sich ebenfalls unter Anleitung von Rohy Batliwala vor. «Eigentlich habe ich zu Frauenkämpfen ein gespaltenes Verhältnis», sagt Batliwala. «Bei Carole sehe ich aber, dass sie gut vorbereitet ist.» International sind Frauen, die kämpfen, sehr gesucht. «Es ist auffallend, wie viel leichter man mit einem Frauenkampf in die Medien kommt», sagt Batliwala.Die letzte intensive Trainingseinheit vor dem Kampf geht für Michael Hristidis zu Ende. Müde macht er sich auf den Heimweg. Die Gedanken auf den kommenden Samstag gerichtet: «Jetzt gehts nach Hause, ein paar Baldriantropfen und dann ab ins Bett.»

 

Hristidis behält den EM-Gürtel

Michael Hristidis verteidigt den EM-Titel im Kickboxen erfolgreich gegen Aziz Boumansour

In der sechsten Runde des auf zehn Umgänge angesetzten EM-Kampfes im Kickboxen stand Michael Hristidis als Gewinner fest. Nach einigen Wirkungstreffern brach der Ringrichter ab: technischer K. o.

Ralph Weibel

Die Kick- und Thai-Box-Veranstaltung in der alten Kreuzbleiche in St. Gallen stand ganz im Zeichen der ersten EM-Titelverteidigung von Michael Hristidis. Der Hauptkampf war der Höhepunkt nach verschiedenen Amateurkämpfen, die grösstenteils auf gutem Niveau stattfanden.

Hristidis geht vorwärts

Nachdem Michael Hristidis die erste Freude über seinen Sieg hinaus geschrien hatte, verneigte er sich vor seinem Trainer Rohy Batliwala und dankte ihm so für seine Hilfe. Batliwala freute sich über den Sieg ebenso wie die rund 600 Zuschauer. Sie sahen einen Kampf, der einer Europameisterschaft würdig war. Dazu trug der unterlegene Franzose Aziz Boumansour ebenso bei wie der Sieger. Der Franzose, um einiges grösser wie Hristidis, versuchte mit guter Beinarbeit seinen Gegner auf Distanz zu halten. Seine Angriffe verloren sich meist in der Deckung des Schweizers. Hristidis ging vorwärts und versuchte so, an seinen Widersacher heranzukommen. Erfolgreich brachte er einige harte Schläge an. Bereits in der dritten Runde wurde der Franzose zweimal angezählt.

Deckung vernachlässigt

In der vierten und fünften Runde hatte der Herausforderer dann gar leichte Vorteile, wobei er sich als guter Konterboxer erwies. Allerdings vernachlässigte der Franzose mehr und mehr seine Deckung, was Hristidis in der sechsten Runde Chancen zu harten Treffern ermöglichte, die ihm den vorzeitigen Sieg einbrachten.